018. Fachkräftemangel – eine Führungsaufgabe

Fachkräftemangel – eine Führungsaufgabe

Die zentrale Herausforderung für Krankenhäuser in den kommenden 10 Jahren ist die Bewältigung des bereits absehbaren Fachkräftemangels. Schon heute haben 80% der Kliniken Schwierigkeiten, freiwerdende ärztliche Stellen zu besetzen [1]. In dramatischer Weise bestätigt eine aktuelle Studie diese Erfahrungen. Bis 2020 ist damit zu rechnen, dass rund 56.000 Ärzte im ambulanten und stationären Bereich fehlen [2]. Einer der wichtigsten Schlüssel zur Bewältigung dieser Herausforderung ist das Führungsverhalten der Chefärzte.

Weniger Ärzte werden künftig mehr Patienten betreuen. Nur Abteilungen, die organisatorische Innovationen kontinuierlich konsequent umsetzen, wird es gelingen, die erforderliche Fokussierung des ärztlichen Diensts auf medizinische Kerntätigkeiten zu realisieren [3]. Die Mitarbeiter für Veränderungen begeistern, heißt Veränderungen umsetzen. Das ist Führungsaufgabe.

Bis 2020 werden 80.000 Studierende der Medizin ihr Studium abschließen. 70.000 Ärzte werden in Ruhestand gehen, 20.000 Chef- und Oberärzte werden die Klinken verlassen [4]. Junge Mediziner wollen erleben, dass es die richtige Entscheidung ist, ihre Karriere im Krankenhaus - nicht im Ausland und nicht in der Industrie - aufzubauen. Sie wollen von Chefärzten lernen und sie nicht fürchten, sie wollen flache Hierarchien [5]. Auch das ist Führungsaufgabe.

Frauen stellen heute 40% der Ärzteschaft und 63% der Studierenden der Medizin [6]. Wer eine Kultur schafft, in der Karriere auch mit einer „weiblichen“ Erwerbsbiografie akzeptiert ist und in der es Raum gibt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der erschließt sich das künftig mit Abstand größte Fachkräftereservoir [7]. Das ist Führungsaufgabe.

Mediziner, die aus dem Ausland zu uns kommen, helfen den Ärztemangel zu bewältigen [8]. Nur wenn sie sich willkommen und wertgeschätzt fühlen, werden sie ihr volles Potenzial entfalten, weil nur so die Bereitschaft entsteht die fremde Sprache perfekt zu erlernen und neue medizinischen Standards und Verfahrensweisen zu verinnerlichen [9]. Diese Atmosphäre der Offenheit, Wertschätzung und Geduld zu verwirklichen ist Führungsaufgabe.


[1]  Vgl. KBV: „Studie zur Altersstruktur- und Arztzahlenentwicklung“; 09/2010, S. 14
[2]  Vgl. WifOR/ PWC: „Fachkräftemangel – Stationärer und ambulanter Bereich bis zum Jahr 2030“;    10/2010, S.10
[3]  Vgl. o.V.: „Fachkräftemangel 2003“, in: f&w, 06/2010, S. 579
[4]  Vgl. o.V.: „Studie zur Altersstruktur- und Arztzahlenentwicklung“; 09/2010, S. 33
[5]  Vgl. o.V.: „Berufsmonitoring Medizinstudenten“, 09/2010, S. 30
[6]  Vgl. ebd., 28
[7]  Vgl. o.V.: „Berufsmonitoring Medizinstudenten“, 09/2010, S. 6
[8]  Vgl. Roeder, N.: „ Erhöhung der Medizinstudienplätze um 15 Prozent“, in: f&W, 06/2010, S. 585[9]  Vgl. ebd.

 

Lesen Sie Impulse zum Führen und Management im Krankenhaus weiter im neuen News Blog der Ruhl Consulting: Das Wertequadrat hilft, Vorbehalte in der Personal- und Teamentwicklung zu lösen, die sonst immer wieder zu Abwertung, Abgrenzung und Konflikten führen.

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